Geschichten aus den Kriegsjahren 1939-45

Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

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Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

Kenraali Hjalmar Siilasvuo

Held der Raate-Straße

Hjalmar Siilasvuo (geborener Strömberg) wurde am 18. März 1892 in Helsinki in der Familie von Frans und Hulda Strömberg geboren. Die Kindheit von Hjalmar wurde vom Tod seiner Eltern überschattet. Er wurde mit nur 12 Jahren Waise. Die Verwandten kümmerten sich jedoch um den Jungen und nach dem Abitur wurde er an der Universität Helsinki zum Studium in den Rechtswissenschaften zugelassen.

Hjalmar, der das Studentenleben genoss, verließ im Jahr 1915 überraschend Finnland mit neun anderen Männern nach Deutschland, die er bereits aus seiner Abiturzeit kannte. Dort meldete sich die Gruppe für die zweite Kompanie des finnischen Pfadfinder-Kurses in Lockstedt an. Die Armee passte zu Hjalmar und er wurde zum Gruppenleiter des Preußischen Jägerbataillons 27 befördert. Er kämpfte am Misa-Fluss, in der Rigaer Bucht und am Aa-Fluss (Lettland). Im Februar 1918, nun als Jägerhauptmann, kam er nach Vaasa und wurde zum Kompaniechef der Weißen Armee Finnlands befohlen.

Nach dem Bürgerkrieg wurde Hjalmar (damals noch Strömberg) das finnischsprachige Bataillon des Uusimaa Regiments in Hamina zugeteilt. Während dieser Entsendung lernte er die Tochter des dortigen Apothekers Salli kennen und das Paar wurde im Jahr 1920 getraut. Sie wurden Eltern von drei Kindern.

Seine militärische Karriere schritt voran und 1934 wurde er, bereits als Oberst, in Oulu stationiert. Zwei Jahre später wechselte Hjalmar seinen Nachnamen Strömberg auf Siilasvuo.

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In Europa nahmen politische Spannungen und die Kriegsgefahr Ende der 1930er Jahre zu. Deutschland und die Sowjetunion vereinbarten überraschend im August 1939 einen Nichtangriffspakt. Danach überstürzten sich die Ereignisse. In dem geheimen Zusatzprotokoll wurde Europa in Interessensphären aufgeteilt und Finnland wurde der Sowjetunion zugeschrieben. Am ersten Septembertag griff Deutschland Polen an und die Sowjetunion verschärfte ihre Territorialforderungen in Richtung Baltikum und Finnland. Finnland gab den Forderungen nicht nach, sondern leitete die Mobilisierung ein und bereitete sich auf einen Verteidigungskrieg vor. Die erste Phase der Mobilisierung waren die zusätzlichen, überall in Finnland stattfindenden Manöver.

Nach dem Scheitern der Territorialverhandlungen griff die Sowjetunion am letzten Novembertag 1939 Finnland an. Die Artillerie der Roten Armee eröffnete das Feuer an der Karelischen Landenge um 6:50 Uhr und später am Morgen wurde Helsinki aus der Luft angegriffen. Der Winterkrieg war ausgebrochen. Die Angriffe der Sowjetunion erfolgten an breiter Front, auch nördlicher bei Lieksa, Kuhmo, Suomussalmi, Salla und Petsamo. Ein strategisches Ziel war, über Suomussalmi der kürzesten Landroute entlang bis zum Bottnischen Meerbusen vorzurücken. Dies hätte die Landverbindungen nach Westen abgeschnitten. Die finnische Verteidigung wurde besonders an der Karelischen Landenge und in Ladoga-Karelien verstärkt. Und so kam es, dass die Finnen durch die Invasion in Nordfinnland völlig überrascht wurden.

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Als der Winterkrieg ausbrach, wurde das 25. Infanterieregiment Oulu von Siilasvuo zu einer Brigade formiert, die der Gruppe Nordfinnland des Generals Wiljo Tuompo zugeteilt und am 7. Dezember in die Region Kuhmo entsandt wurde. „Die Gruppe Siilasvuo wird in Richtung Suomussalmi zentriert, um den dort vorrückenden Feind zu besiegen”, lautete der Befehl Tuompos.

Siilasvuo gründete seinen Kommandoplatz zuerst in Hyrynsalmi. Die Angriffe der Roten Armee waren abgewehrt und es war bekannt, dass die feindlichen Verluste groß waren. Auch die Evakuierten aus den Grenzdörfern mussten weiter von der Frontlinie gebracht werden. Den nachrichtendienstlichen Berichten zufolge würde eine in Richtung Hyrynsalmi und Taivalkoski vorrückende sowjetische Division entgegenkommen. Siilasvuo erhielt zu seiner Verfügung einige neue Verstärkungen, aber sie waren größtenteils Truppen, die bereits in schweren Abwehrkämpfen Verluste erlitten hatten. Weder Artillerie noch Panzerabwehrausrüstung konnte bezogen werden.

Am 10. Dezember planten die Truppen von Siilasvuo, einen Keil zwischen die beiden sowjetischen Gruppierungen zu treiben. Die feindlichen Kolonnen marschierten, ohne von dem Hinterhalt etwas zu wissen, als die Angriffsgruppen Siilasvuos von der Flanke aus angriffen. Von nun an begannen die Finnen bei den Schlachten erfolgreich zu sein und die Angriffe wurden intensiviert. Die Initiative war auf die Finnen übergegangen und die Rückzugsstrecken des Feindes wollte man weiter nördlich abschneiden. Zur gleichen Zeit bekam Siilasvuo die von ihm benötigte zusätzliche Verstärkung.

Kämpfe auf der Raate-Straße

Nach Angaben der Luftaufklärung war die Raate-Straße voll von marschierenden Truppen der 44. Division. Um diese zu verzögern, hatte Siilasvuo nur zwei fünfzigköpfige Spähtrupps zur Verfügung. Die Sowjettruppen sollten die Offensive am 28. Dezember einleiten und die sich im Gebiet aufhaltenden Truppen von Siilasvuo vernichten. Stattdessen wurde die Offensive zuerst von Siilasvuo eingeleitet: das Ziel war die in Kiantajärvi weiter vorgerückte feindliche Division. Dem größten Teil der Division gelang es jedoch, durch eine Lücke zwischen den Truppen von Siilasvuo und der nördlicher positionierten Gruppe von Oberstleutnant Paavo Susitaipale zu entkommen. Die Flüchtenden hinterließen als Kriegsbeute eine beträchtliche Anzahl von Kanonen, Panzerwägen, Lastwägen und leichten Waffen.

Zur gleichen Zeit war die ukrainische 44. Division auf der Raate-Straße eingekesselt. Bei beißenden 40 Minusgraden ging Siilasvuo in die Offensive gegen einen schlecht ausgerüsteten Feind, der in drei Tagen praktisch vollständig vernichtet wurde. Nach der Beendigung der Schlacht am Montag, dem 8. Januar, kam eine Gruppe von ausländischen Zeitungsjournalisten vor Ort. Der Oberst Siilasvuo stellte der Presse die gesamte erbeutete Militärausrüstung vor, darunter Militärfahrzeuge und mehr als tausend Pferde. Die Verluste der Sowjets auf der Raate-Straße und anderswo in Suomussalmi betrugen über 20 000 Mann. In der eigenen Division von Siilasvuo fielen 900 und 1200 Soldaten wurden verwundet.

Die Legende des Winterkriegs war geboren!

 


 

Siehe auch das Video „Raatteentie nykypäivänä“ („Raate-Straße von heute“), produziert für IS TV von Teemu Keskisarja und Simo Holopainen. Das Video präsentiert und veranschaulicht die Kämpfe in Suomussalmi und vor allem auf der Raate-Straße