Geschichten aus den Kriegsjahren 1939-45

Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

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Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

Finnland und Deutschland – Waffenbrüder im krieg

Die militärische Zusammenarbeit zwischen Finnland und Deutschland führt zurück auf die Jägerbewegung 1915–1918 und die Geschehnisse im Finnischen Bürgerkrieg im Jahr 1918. Nach dem Bürgerkrieg baute man die finnische Armee nach dem deutschen Vorbild auf, wobei auch einiges von der russischen Militärtradition übernommen wurde. Finnland hatte mit Deutschland ebenfalls eine politische Schicksalsbeziehung gemeinsam. Im Jahr 1918 wurde damit geliebäugelt, den Schwager des deutschen Kaisers zum König von Finnland zu ernennen, doch durch den Ausgang des Ersten Weltkriegs wurde diese Tendenz zunichte gemacht. Spätestens durch den Winterkrieg wurde es klar, dass militärische und außenpolitische Traditionen keinen Stellenwert hatten, als Europa durch totalitäre Staaten geteilt wurde. Im Winterkrieg 1939–1940 wurde Finnland – mit Zustimmung Deutschlands – zur Interessensphäre der Sowjetunion im Rahmen des geheimen Zusatzprotokolls zum Molotow-Ribbentrop-Pakt deklariert.

Dank dem Endergebnis des Winterkriegs änderte sich das Verhalten Deutschlands gegenüber Finnland, denn die Grenze zur Sowjetunion blieb nahezu unverändert. Im November 1940 lehnte Hitler die Forderungen Molotovs an die Einbeziehung Finnlands in die Interessensphäre der Sowjetunion ab, weil das Interesse der Deutschen an den Möglichkeiten Lapplands zugenommen hatte. Deutschland interessierte sich für den Nickel aus Petsamo, der für seine Kriegswirtschaft wichtig war und für die Unterbrechung der zur Versorgung der Roten Armee unerlässliche Murmanbahn. Im August desselben Jahres intensivierten sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern und im September gewährten die Finnen in einem Geheimabkommen den deutschen Truppen Zugang zur Eismeerstraße nach Kirkenes. Ende Januar 1941 teilte die deutsche Militärführung der finnischen Militärdelegation mit, dass der Angriff auf die Sowjetunion im folgenden Sommer möglicherweise Realität wird.

Im Mai 1941 war die finnische Militärdelegation in Deutschland zu Besuch und vereinbarte dort eine Waffenbrüderschaft, praktisch am Parlament vorbei. Deutschland griff die Sowjetunion am 22. Juni an, wobei Hitler verkündete, dass die Finnen neben den Deutschen kämpfen. Die Versetzung der deutschen Truppen aus Norwegen nach Finnland war zu Beginn desselben Monats eingeleitet worden. Die politische Führung Finnlands wollte jedoch so lange scheinbar neutral bleiben, bis die Sowjetunion eine Offensivinitiative ergreifen würde. Die Sowjetunion bombardierte finnische Ziele am 25. Juni und der Ministerpräsident Jukka Rangell stellte fest, Finnland befinde sich wieder im Krieg mit der Sowjetunion.

In den Jahren von 1941–1944, als die deutschen Truppen mit bis zu 220 000 Soldaten von Nordfinnland in Richtung Osten operierten, sind Finnland und Deutschland kein formelles Militärbündnis eingegangen. Im Gesamtbild des Zweiten Weltkriegs erlitt Deutschland am Ende der Schlacht von Stalingrad im Februar 1943 eine Niederlage, woraufhin Finnland begann, nach einem Weg zum Frieden mit der Sowjetunion zu suchen. Im Sommer 1944 gelang es Finnland, eine Großoffensive der Roten Armee abzuwehren. Trotz dessen war davon auszugehen, dass die Verteidigung Finnlands nicht ewig halten würde. Nach Schätzungen von Mannerheim reichten die Ressourcen für einen dreimonatigen Kampf und die politische Führung Finnlands zog ihre eigenen Schlüsse aus der Situation. Am ersten Augusttag trat Risto Ryti aus seinem Amt als Präsident der Republik aus und Mannerheim wurde für das Amt gewählt.

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Ryti hatte im vorangegangenen Mittsommer von Deutschland militärische Hilfe erhalten, mit dem Versprechen, dass weder er noch die von ihm ernannte Regierung einen separaten Frieden mit der Sowjetunion schließen würde. Ryti opferte sich wohl überlegt, denn Mannerheim sah sich nicht verpflichtet, das Versprechen seines Vorgängers einzuhalten. Mannerheim teilte am 2. September dem Generaloberst Lothar Rendulic, der in Helsinki zu Besuch war, die Beendigung der Waffenbrüderschaft mit, was Hitler wütend machte. Die Vorbedingungen des Waffenstillstands zwischen Finnland und der Sowjetunion verlangten die Vertreibung oder die Internierung der deutschen Truppen. Dies war ebenfalls in dem am 19. September unterzeichneten Moskauer Waffenstillstandsabkommen enthalten. Die Folge war der Lapplandkrieg zwischen Finnen und Deutschen, der nach der Schlacht von Suursaari sowie den Gefechten in Pudasjärvi und Olhava am 1. Oktober 1944 in Tornio ausbrach. Im erbitterten Krieg der ehemaligen Waffenbrüder wurden die schwersten Kämpfe neben Tornio in Kemi, Ranua, Rovaniemi und Muonio geführt.

Die heftigste Phase des Lapplandkriegs fand im Oktober 1944 statt, aber der Krieg wurde noch danach fast sieben Monate im „Arm Lapplands“ geführt. Die letzte größte Verteidigungsstellung der Deutschen in Skandinavien war die Lyngen-Linie, deren Kitdal-Stellung sich bis nach Kilpisjärvi in Finnland erstreckte.  Offiziell endeten die Kriegshandlungen in Lappland erst am 27.04.1945, als die Finnen an der Dreiländergrenze feststellen konnten, dass der letzte deutsche Soldat das finnische Territorium verlassen hatte.