Geschichten aus den Kriegsjahren 1939-45

Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

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Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

Finnland Im Zweiten Weltkrieg

Am 23. August 1939 verkündeten Deutschland und die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt, benannt nach den Außenministern der beiden Großmächte, Joachim von Ribbentrop und Vjatšeslav Molotov.  Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt enthielt ein geheimes Zusatzprotokoll, welches das Schicksal von Finnland, den baltischen Staaten, Polen und Rumänien besiegelte. In dem Zusatzprotokoll teilten Deutschland und die Sowjetunion die kleinen Randstaaten in ihre Interessensphären auf und Finnland wurde dem Sowjetblock zugeschrieben. Die Sowjetunion hatte beschlossen, Finnland anzugreifen.

Image Source: SA-kuva

Der Winterkrieg brach am 30. November 1939 um 6:50 Uhr aus, als die Artillerie der Roten Armee das Feuer an der Karelischen Landenge eröffnete. Gleich in der Früh wurde Helsinki vom Bombenangriff überrascht. In Finnland wurden der Kriegszustand ausgerufen und der Feldmarschall Mannerheim zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt.

Finnland begann einen Verteidigungskrieg gegen die Großmacht Sowjetunion – damals betrug die Einwohnerzahl Finnlands unter vier Millionen und die der Sowjetunion circa 180 Millionen. Zur weltweiten Überraschung gelang es Finnland, sich 105 Tage lang gegen eine Großmacht zu verteidigen und seine Unabhängigkeit zu bewahren.

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand hat der Winterkrieg beinahe 26 700 Finnen das Leben gekostet. Verwundete, Kriegsversehrte oder sonst Verletzte gab es circa 43 500. In der Sowjetgeschichte variierten die Verlustschätzungen im Winterkrieg von einer Ära zur anderen erheblich. Nach der jüngsten russischen Geschichtsforschung gab es über 140 000 Gefallene.

Deutschland und die Sowjetunion waren sich im weiteren Verlauf über das Schicksal Finnlands nicht mehr einig. Der Diktator Adolf Hitler kündigte Molotow an, der im November 1940 in Berlin zu Besuch war, dass die Sowjetunion keine freie Hand mehr hatte, die Situation Finnlands zu lösen. Die großmachtpolitische Situation hatte sich bis Sommer 1941 insoweit geändert, dass Finnland an der Seite Deutschlands gegen die Sowjetunion kämpfte. Nachdem die Sowjetunion am 25. Juni 1941 mehrere finnische Ziele bombardierte, sah sich Finnland erneut im Krieg. So begann der Fortsetzungskrieg, während dessen Finnland kein formelles Militärbündnis mit Deutschland einging.

Man ging davon aus, dass der Fortsetzungskrieg von kurzer Dauer wäre, weil den Erwartungen zufolge die Sowjetunion bald fallen würde. Es hatte sich jedoch anders ergeben und die Angriffsphase entwickelte sich gegen Ende 1941 zu einem Stellungskrieg. Die Anzahl der deutschen Soldaten in Nordfinnland betrug auf dem Höchststand mehr als 220 000. Sie waren während des Stellungskriegs für die Nordfront verantwortlich. Die lange Phase des Stellungskriegs hielt bis Juni 1944 an. Dann leitete die Rote Armee eine massive Großoffensive an der Karelischen Landenge ein. Im Laufe des Sommers 1944 wehrte die finnische Armee eine Großoffensive in Tienhaara, Tali-Ihantala, Viipurinlahti, Vuosalmi und Ilomantsi ab. Trotz der Abwehrsiege war klar, dass Finnland einen Friedensvertrag mit der Sowjetunion schließen musste, da der Zusammenbruch Deutschlands zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Frage der Zeit war.

Das Waffenstillstandsabkommen zwischen Finnland und der UdSSR wurde am 19. September 1944 unterzeichnet. Die Vorbedingungen des Waffenstillstands verlangten, dass Finnland die sich auf dem finnischen Territorium befindlichen deutschen Truppen vertreiben oder internieren sollte. Die Folge war der Lapplandkrieg zwischen den finnischen und deutschen Truppen. Der eigentliche Kriegsausbruch wurde durch die Landung in Tornio am 1. Oktober 1944 ausgelöst. Bei den Kämpfen in der Grenzstadt, die etwas mehr als eine Woche andauerten, wurden etwa 450 Finnen getötet. Es handelte sich um den letzten Großkampf der Finnen, was zugleich auch einen konkreten Wechsel von Deutschland auf die Seite der Alliierten bedeutete.

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Offiziell wurden die Kriegshandlungen in Lappland erst am 27.04.1945 in Kilpisjärvi beendet, nachdem die Finnen sicher feststellen konnten, dass der letzte deutsche Soldat das finnische Territorium verlassen hatte. Im Lapplandkrieg kamen fast 1400 finnische Soldaten um. Im Fortsetzungskrieg und Lapplandkrieg fielen insgesamt über 65 000 Finnen.