Geschichten aus den Kriegsjahren 1939-45

Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

Suche
Close this search box.

Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

Huoltotie Kuhmon Saunajärvellä

Winterkrieg in den Grenzdörfern – Rote Armee in Laamasenvaara

Der Winterkrieg begann in Kuhmo am 30.11.1939 in Laamasenvaara bei Saunajärvi, durch den Angriff von Sowjettruppen auf das Dorf Ala-Laamanen drei Kilometer von der Ostgrenze entfernt. Der Zweck des feindlichen Angriffs war, zuerst in das Ortszentrum Kuhmo einzudringen und dann nach Kajaani und Oulu.

Dies ist eine Geschichte über die Geschehnisse zu Kriegsbeginn und die Schicksale der Einheimischen in den Grenzdörfern der Kuhmo-Region.

Im Herbst 1939 hatte sich die Lage in Europa verschärft. Deutschland und die Sowjetunion teilten Polen und die Westmächte erklärten Deutschland den Krieg. Die Sowjetunion setzte die baltischen Staaten unter Druck, Militärstützpunkte zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig wurden bei den Verhandlungen mit Finnland Gebietsabtretungen eingefordert, was jedoch abgelehnt wurde.

Die Angriffsvorbereitungen der Sowjetunion begannen in Kuhmo bereits zur Mittsommerzeit. Von jenseits der Staatsgrenze waren Explosionsgeräusche zu hören, die sich allmählich näherten. In der Holzfällerhütte in Kuusijärvi und in den Häusern der näheren Region, z.B. in Laamasenvaara, wunderte man sich über die Geräusche. Im Juli fanden Grenzbeamte heraus, dass eine Straße zur finnischen Grenze hin gebaut wurde. Die Grenzbeamten sahen immer öfter sowjetische Soldaten, die sich in Grenznähe aufhielten. Obwohl drohende Zeichen in der Luft lagen, glaubte man nicht an den Ausbruch des Kriegs.

Aufgrund der Situation intensivierte der Grenzschutz Kainuu die Überwachung und die Wache in Riihivaara wurde durch die im Herbst rekrutierten Reservisten verstärkt. Als der Winterkrieg ausbrach, befand sich hier eine Truppe Soldaten unter Führung von sechs Grenzbeamten.

In Ala-Laamanen bei Laamasenvaara wohnten die Gebrüder Juho und Antti Malinen mit ihren Familien. In Ylä-Laamanen, etwa einen Kilometer entfernt, wohnte die Familie von Pekka Korhonen. Die Feldwache der Grenzkompanie befand sich weiter südlich in Hiilikko und von dort aus führte nur ein Schlittenweg nach Laamasenvaara. Am letzten Novembermorgen kam ein Wachmann von der Grenze laufend und meldete außer Atem, dass „eine Sowjet-Patrouille von vierzehn Männern über die Grenze kam! Und marschierte in Richtung Laamasenvaara!”.

Die Geschehnisse in den Grenzdörfern begannen sich jedoch bereits vor der offiziellen Meldung zu überstürzen.

Als die Nachricht über den Kriegsausbruch in der Grenzschutzstation Riihivaara eintraf, wurde der Grenzschutzsoldat Unto Kimpimäki und der Soldat Tauriainen nach Laamasenvaara zur Erteilung des Evakuierungsbefehls entsandt.

Die Geschehnisse in den Grenzdörfern begannen sich jedoch bereits vor der offiziellen Meldung zu überstürzen. Pekka Korhonen, der Familienvater von Ylä-Laamanen, hatte Schüsse an der Grenze gehört und ging in Richtung Hiilikko um herauszufinden, was los war. Unterwegs traf er Kimpimäki und Tauriainen, die sagten, sie seien auf dem Weg nach Laamasenvaara, um den Evakuierungsbefehl zu überbringen. In Hiilikko angekommen, wurde Korhonen jedoch angewiesen, sofort zurückzukehren und seine Familie zu evakuieren.

In Laamasenvaara hatte man es nicht eilig aufzubrechen, sondern man wartete auf die Rückkehr der Männer, die mit dem Pferd zur Mühle gefahren waren, um die Kinder und Habseligkeiten auf den Schlitten laden zu können. Während der Warterei begann die Mutter Sofi für die Patrouille Kaffee zu kochen. Als die Tochter Anna Wasser zum Kaffeekochen aus dem Vorraum holen wollte, kamen ihr sowjetische Soldaten an der Tür entgegen. Anna stürzte zurück in die Stube, mit einem Rotarmisten im Schlepptau. Die überraschten Kimpimäki und Tauriainen handelten jedoch schnell und konnten mit ihren Gewehren drohend die uneingeladenen Gäste aus der Stube verjagen.

Aus Verärgerung darüber begannen die Sowjets, Handgranaten durch die Fenster zu werfen, aber Kimpimäki und Tauriainen gelang es, diese wieder hinaus auf den Feind zu zu werfen. Eine der Granaten konnte nicht rechtzeitig aufgefangen werden und sie explodierte in der Ofenecke der Stube. Die Kinder Anna und Erkki wurden von Granatsplittern getroffen. Kimpimäki übernahm das Kommando und wies die Familie an, sich hinter dem Ofen zu verstecken – gleichzeitig wurde versucht, den Verwundeten zu helfen.

Währenddessen – unwissend über die Situation – näherten sich Juho und Eino, der Sohn von Antti, mit ihrer Ladung aus der Mühle und fuhren auf den Hof, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein, als sie beim Zaun unter sowjetisches Feuer gerieten. Jussi versuchte, das Pferd zurück in die Ankunftsrichtung zu lenken, aber gleichzeitig wurde Eino, der oben auf der Ladung saß, getroffen und fiel tot auf den Boden. Jussi versuchte zunächst, hinter einem Baumstumpf Schutz zu suchen, rannte aber dann in Richtung Ylä-Laamanen. Kimpimäki, der die Geschehnisse von der Stube aus verfolgte, begann auf den Feind zu schießen und half damit Juho zu flüchten.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Sowjets bereits überall, der Hauswand entlang und auf dem Hof. Kimpimäki und Tauriainen beschlossen, vom Außenposten Verstärkung zu holen. Kimpimäki, der als erster aus dem Fenster sprang, schaffte es in den Schutz des Waldes, aber Tauriainen wurde von der Kugel des Feindes getroffen und starb auf dem Feld. Der erst 13-jährige Eino Malinen und der Soldat Tauriainen waren die ersten Opfer des Winterkriegs in Kuhmo.

Die in der Stube gebliebene Familie von Ala-Laamanen wurde gefangen genommen und nach Kontupohja gebracht. Die ein- und dreijährigen Töchter von Juho und Hanna Malinen, Hilkka und Eila, starben auf der Fahrt dahin. Bis auf Antti kehrten alle im Sommer 1940 im Rahmen des Gefangenentauschs zurück. Antti wurde als Kriegsgefangener bis in den Ural gebracht und wurde erst später freigelassen.

*****

In Ylä-Laamanen, nur ca. ein Kilometer entfernt, hörte man das anfängliche Gefecht. Die Kinder der Familie, Väinö und Esteri, waren zur gleichen Zeit bei Ala-Laamanen mit dem Pferd Holzholen, sie eilten aber nach dem Schusswechsel zurück zum Hof. Zum Zeitpunkt des Vorfalls war der Vater auf Erkundigungstour bei der Wache und die Mutter Anni zu Hause mit neun Kindern. Schnell wurde das Pferd vor den Schlitten gesetzt und die Familie fuhr vor den herannahenden feindlichen Truppen davon, zuerst nach Riihivaara und dann Löytövaara. In aller Eile hatte die Mutter ihre Filzschuhe falsch herum angezogen und auch ihre Brille im Haus vergessen.

Während die Kugeln vorbeirauschten, flüchtete die Familie Korhonen im Schlitten den Hang hinunter, in Sicherheit vor dem Gewehrfeuer.

 Der erschöpfte Vater sah seine Familie von weiter weg. Er war erst dann erleichtert, als er alle im Schlitten sah. Während die Kugeln vorbeirauschten, flüchtete die Familie Korhonen im Schlitten den Hang hinunter in Sicherheit vor dem Gewehrfeuer. Währenddessen setzte Juho seine Flucht fort und konnte die ihn verfolgende Sowjet-Patrouille vor der Ankunft in Kälkäs ablenken.

*****

Die in Laamasenvaara eingetroffenen Sowjets waren Soldaten des an der Spitze der 54. Division angreifenden Regiments. Die finnischen Truppen versuchten, den Vormarsch des überlegenen Angreifers zu stoppen. Für einen Moment gelang dies in Kuusijoki und Niskakoski – und schließlich zehn Kilometer vor dem Ortszentrum in Jyrkänkoski. Der Angriff der kleineren feindlichen Truppe bei Kiekinkoski wurde in Tyrävaara gestoppt und abgewehrt.

Die finnischen Truppen bei Kuhmo konnten nach Jahreswende verstärkt werden. Die feindlichen Divisionen, die im Januar-Februar hier angriffen, konnten aufgespalten und eingekesselt werden.  Die Frontlinie bildete sich zuerst in Kuusijoki und von dort aus musste man sich im März bis Löytövaara zurückziehen. Dort hielt die Verteidigungslinie bis Ende des Kriegs stand.

Der Winterkrieg endete am 13.03.1940. De Abtretung von Kuhmo an die Sowjetunion blieb jedoch aus und als eines der wenigen Schlachtfelder des Kriegs blieb der Ort vollständig in finnischer Hand. Kuhmo war Kriegsgebiet bis Ende April, die Grenzdörfer bis zum Sommer, aber danach durften die Menschen in ihre Häuser zurückkehren.

 


 

Die Geschichte beruht auf verschiedenen Quellen: Grenzwachtmeister a.D. Henrik J. Vuokkola, Archive und bei der Zeitung „Kansa taisteli“ eingereichter, aber nicht veröffentlichter Artikel „Epätavallinen lähitaistelu Laamasenvaaralla” („Ein ungewöhnlicher Nahkampf in Laamasenvaara“); Archivquellen der Leiterin des Winterkriegsmuseums Kuhmo Hilkka Tampio (HS 13.03.2000, Raija Forsström); Buch „Rajan kansan taistelu” („Kampf des Volkes der Grenze“), Kauko Pulkkinen (Druckerei von Kuhmo, 1992); Rede von Kommandeur Oberst Mika Rytkönen auf der Gedenkfeier zum 80. Jahrestag des Beginns des Winterkriegs, veröffentlicht durch den eingetragenen Verein Kainuun Rajavartioston Kilta ry.