Geschichten aus den Kriegsjahren 1939-45

Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

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Kriegshistorische Stätten – Schauplätze der Geschichten – Was die Feldpost über den Krieg erzählt

Nikolaus von Falkenhorst

General und Kriegsverbrecher

Im Preußischen Breslau wurde in der Familie von Louis und Elisabeth von Jastrzembski am 17.01.1885 ein Sohn namens Paul Nikolaus geboren. Heute ist die Stadt ein Teil Polens und unter dem Namen Wroclaw bekannt. Nikolaus heiratete Margarete Ulrichi 1908 und sie wurden Eltern von zwei Töchtern, Harriet und Gisela. Ihm wurde 1911 anstatt des Adelnamens Jastrzembski der Nachname „von Falkenhorst“ verliehen. Unter diesem Namen ist er besser bekannt.

Nach seiner Offizierausbildung in der kaiserlichen Armee Deutschlands diente Falkenhorst während des Ersten Weltkriegs als Stabsoffizier und nach dem Krieg u.a. im Kriegsministerium. Er beteiligte sich an dem deutschen Feldzug im finnischen Bürgerkrieg 1918 und hatte mit seiner Offiziergruppe im Frühsommer auch Kuusamo besucht. Aufgrund seiner regionalen Kenntnisse galt er als Experte für nordische Kriegsbedingungen. In den 1930er Jahren war er als Militärattaché in Ostmitteleuropa tätig, wonach von Falkenhorst eine Beförderung nach der anderen erhielt. Er leitete die Armeegruppe der deutschen Wehrmacht, die im September 1939 Polen angriff, und wurde zum General der Artillerie befördert. Bald danach wurde er zur Leitung des Geheimplans „Unternehmen Weserübung“ zur Besetzung von Dänemark und Norwegen von Hitler ernannt. Nach der erfolgreichen Besetzungsoperation diente er als Kommandeur der deutschen Streitkräfte in Norwegen, bis der im Sommer 1941 eingeleitete Angriff Deutschlands gegen die Sowjetunion Aktivitäten auch von den deutschen Truppen weiter im Norden voraussetzte. Von Falkenhorst wurde Kommandeur der deutschen Streitkräfte in Nordfinnland und ihm wurde auch das finnische III. Armeekorps unterstellt.

Am Vorabend des Fortsetzungskriegs, dem 24. Juni 1941 traf von Falkenhorst den Generalmajor Hjalmar Siilasvuo am Maijanlampi bei Taivalkoski (auf dem Bild von Falkenhorst vorne mit Siilasvuo an seiner Seite. Maijanlampi 24.06.1941. Bild: Sa-kuva) Das von ihm geführte III Armeekorps war bereits damals dem deutschen General unterstellt. Nur eine Woche nach dem Besuch, am 1. Juli 1941 um 2:30 Uhr, griff das Armeekorps die Sowjetunion an. Der Angriffsbefehl war von Nikolaus von Falkenhorst unterzeichnet worden. Der deutsche General setzte Siilasvuo stark unter Druck, bis zum Weißen Meer vorzurücken. Die Verluste der Finnen nahmen zu und Siilasvuo wurde von den Deutschen immer enttäuschter.

Im Allgemeinen war die Haltung der Finnen gegenüber den deutschen Truppen unterschiedlich – einige jubelten, andere buhten. Das Verhalten der finnischen Staatsführung war eher sachlich realistisch, aber die Höflichkeitsformeln wurden eingehalten. Von Falkenhorst wurde im September 1941 das Großkreuz mit Schwertern des Finnischen Ordens der Weißen Rose verliehen. Dies kam jedoch erst über 50 Jahre später im Rahmen der Forschungen von Mauno Jokipii ans Tageslicht. Laut Jokipii wurde das Ehrenabzeichen von dem Präsidenten Ryti vorgeschlagen, was außergewöhnlich war – es war üblich, dass die Abzeichenvorschläge vom Oberbefehlshaber Mannerheim und die Abzeichenverleihungen von dem Präsidenten Ryti stammten. Mannerheim muss seine eigenen Gründe für die Abneigung gehabt haben. Zudem ist er in seinen Memoiren nicht sehr bereit, über seine Treffen mit dem deutschen General zu berichten. Der Chef des Kommandostabes im Hauptquartier, Generalleutnant Wiljo Tuompo, stellte seinen Standpunkt direkter vor: „…Falkenhorst spricht viel und das, was er als Erstes denkt. Der Deutsche ist prahlerisch und selbstbewusst und tritt irgendwie brutal auf…Während der abendlichen Vorstellung des Oberbefehlshabers sagt Tuompo, sein Respekt gegenüber Falkenhorst sei dahin. Der Marschall äußert sich dazu, er sei derselben Meinung.” (Jatkosota – Kronikka [„Fortsetzungskrieg – Chronik“], Gummerus 1997).

Anders wird von Falkenhorst von Wellamo Paananen, einer „Lotta“-Mitarbeiterin der Lotta Svärd-Organisation, beschrieben. Sie hatte den General in den Jahren des Fortsetzungskriegs kennengelernt, als er der Kommandeur der deutschen Truppen in Nordfinnland war: „Heute hat der General mir 60 Finnmark gegeben, als ich sein Hemd in Joutsijärvi gewaschen habe! Ich dachte, er hätte die ganze Sache vergessen”. Bevor Wellamo Paananen den Stab Lapplands verließ, besuchte sie noch von Falkenhorst zum Abschied und bedankte sich im Namen ihrer ganzen Familie für seine Freundlichkeit. Zum Schluss des Besuchs sagte der General: „Gott segne Sie und Ihre Familie! Bleiben Sie immer eine Finnin!“, erinnert sich Paananen zurück.

Die Stellung von von Falkenhorst änderte sich zu Jahresbeginn 1942, als die im Norden angestrebte Unterbrechung der Murman-Bahn fehlschlug und er durch einen anderen deutschen General ersetzt wurde. Von Finnland aus kehrte er nach Norwegen zurück und diente dort weiterhin als Kommandeur der deutschen Streitkräfte bis Dezember 1944. Am 18. Dezember 1944 wurde von Falkenhorst vom Kommando der norwegischen Streitkräfte entlassen, nachdem er sich den Maßnahmen des norwegischen Reichskommissars Josef Terboven widersetzt hatte. Nach Kriegsende wurde er in Oslo im September und Oktober 1945 vernommen. Von Falkenhorst wurde u.a. wegen der gegen das internationale Völkerrecht verstoßenden Befehle angeklagt, unter Einhaltung derer seine Untergebenen Soldaten des britischen Kommandos in Norwegen im Zeitraum von 1942-1944 erschossen. Das britische Militärgericht im deutschen Braunschweig verurteilte ihn zum Tod durch Erschießen am 04.11.1946. Die Todesstrafe wurde jedoch durch 20 Jahre Haft ersetzt.

Die Zusammenfassung der originalen Vernehmungen des Generals von Falkenhorst (in englischer Sprache) finden Sie hier https://digital.library.cornell.edu/catalog/nur00869

Aufgrund seines Gesundheitszustandes wurde er bereits 1953 aus der Haft entlassen und verbrachte einen ruhigen Lebensabend mit seiner Frau. Nikolaus von Falkenhorst starb am 18. Juni 1968 im westdeutschen Holzminden.

 


 

Die Geschichte beruht auf verschiedenen Quellen, z.B. Bundesarchiv, „Lottana lippusiimassa – Muistoja Wehrmachtin Lapin esikunnasta” („Als Lotta an der Flaggleine – Erinnerungen an das Wehrmachtshauptquartier in Lappland“), Wellamo Paananen (Gummerus, 1998), ”Jatkosota: Kronikka” („Fortsetzungskrieg – Chronik“), Matti Ahola & Ensio Siilasvuo (Gummerus, 1997), „Parakkeja ja piikkilankaa – Saksan armeijan rakentamiseen liittyvä toiminta Rovaniemen seudulla 1940-1944” („Baracken und Stacheldraht – Bautätigkeit der deutschen Armee in der Region Rovaniemi 1940-1944“), Kalevi Mikkonen (Lapin Maakuntamuseon julkaisuja 18, 2017 [Publikationen des Regionalmuseums Lappland 18]), „Saksan vankileirit Suomessa ja raja-alueilla 1941-1944” („ Deutsche Gefangenenlager in Finnland und in den Grenzgebieten 1941-1944“), Lars Westerlund (Tammi, 2008), „Sotakenraalit” („Kriegsgenerale“), Robert Brantberg (Gummerus, 1998), „Summary of Interrogation of General von Falkenhorst”, The Cornell University Law Library Donovan Nuremberg Trials Collection.